CLOVERFIELD

(USA, 2008)

Das Subgenre des Monsterfilms steckt in einer Krise. Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 haben unsere Ängste eine neue Dimension bekommen und niemand glaubt mehr so recht an Monster. Auf diese neue und reale Bedrohung durch den internationalen Terrorismus reagiert der Film "Cloverfield" schon in seiner Werbekampagne: Das Plakatmotiv zeigt die geköpfte Feiheitsstatue von New York und im Hintergrund ist die Skyline von Manhattan mit einer dunklen Rauchsäule zu sehen. Ein Motiv, das mit der Ästhetik der Nachrichtenbilder von 9/11 spielt, die sich in unser kollektives Unterbewusstsein eingeprägt haben.

Auch der Film selbst suggeriert formal mit verwackelten Handycam-Bildern eine vermeintliche Authentizität. Denn das, was wir auf der Leinwand sehen, ist ein vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium sichergestelltes Videoband, das einer der jungen Protagonisten selbst aufgenommen hat. Während die Jugendlichen eine Abschiedsparty feiern, steigt ein riesiges Wesen neben der Freiheitsstatue aus dem Wasser und reißt ihr den Kopf ab. Als dieser dann mitten in Manhattan landet, bricht Chaos aus. Das Aussehen des Ungetüms wurde, wie schon 1998 bei dem amerikanischen Remake "Godzilla", vor dem Kinostart streng geheim gehalten. Auch in "Cloverfield" sieht man das Ungetüm in den verwackelten Bildern oft nur schemenhaft und ausschnittsweise. Die Handkamera ist ständig in Bewegung und verursacht beim Zuschauer Schwindelgefühle. Die ohrenbetäubende Tonebene verstärkt das Gefühl, den Geschehnissen tatsächlich beizuwohnen. "Cloverfield" ist ein spannendes filmisches Experiment für die YouTube-Generation, das den unglaubwürdig gewordenen Monsterfilm ins neue Jahrtausend überführt.

Jörg Buttgereit für Fluter.de