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GODZILLA, MOTHRA AND KING GHIDORAH - GIANT MONSTERS ALL-OUT ATTACK

(Japan, 2001)

Zehn Jahre hat Regisseur Shusuke Kaneko warten müssen, bis ihn Godzilla-Produzent Shogo Tomiyama einen Godzilla-Film für Toho hat drehen lassen. In einem extrem hierarchisch aufgebauten Stidiosystem kann man nicht so einfach einen Firmenfremden in den Regiestuhl setzen, der zuvor nur durch Horrorfilmchen und Pink-Movies in Erscheinung getreten ist. Also marschierte Kaneko Mitte der Neunziger rüber zur Konkurrenzfirma Daiei und drehte dort mal eben drei grandiose Monsterfilme mit der atomaren Riesenschildkröte Gamera. Seitdem gilt Kaneko als innovativer Erneuerer des Kaiju Eiga. Diesem Ruf wird er nun auch mit seinem ersten Godzilla-Film GMK gerecht.

Kaneko wirft die Historie der Riesenechse über Bord und legt neue Regeln fest. In seiner Timeline hat nur der erste Godzilla-Film im Jahre 1954 stattgefunden. Im Jahre 1998 verwüstete zwar ein gigantischer Leguan (unter der Reigie von Roland Emmerich) New York, den die Amerikaner Godzilla nannten, aber das war nicht der Echte.

Erst jetzt taucht der wahre Godzilla aus den Tiefen des Meeres auf, um Japan zu vernichten. Getrieben von den ruhelosen Seelen der gefallenen Soldaten des Pazifikkrieges geht er an Land, um sich alsbald im bekannten Ausflugsort Hakone mit dem Monster Baragon zu raufen. Baragon ist Kennern aus Ishiro Hondas FRANKENSTEIN DER SCHRECKEN MIT DEM AFFENGESICHT (1965) vertraut. In GMK ist er der “Gott des Landes“, der erste von drei “Beschützern von Yamamoto (dem alten Japan)“. Riesenfalter Mothra ist der “Gott der See“ und der dreiköpfige King Ghidorah der “Gott der Lüfte“. Erweckt werden die drei guten Monster fast zufällig. Jugendliche Rowdies und ein Mann, der sich im Wald aufhängen will, werfen aus Versehen ein paar magische Steine um, die die Biester seit 10.000 Jahren durch einen Bann gefangen halten. Es könnte also auch die moralische Entrüstung der göttlichen Monster über die jungen Delinquenten oder den unehrenhaften Selbstmordversuch sein, die sie zu neuem Leben erwachen lässt.

Die drei moralischen Monster haben jedenfalls die Aufgabe, diesen äußerst fiesen Godzilla zu bezwingen, der inzwischen in Yokohama Menschen mit seinem atomaren Feueratem brutzelt. Die junge und hübsche Fernsehreporterin Yuri (Chiharu Niiyama) beobachtet das Inferno mit ihrer Sony-Digicam und entgeht immer wieder nur knapp den Zerstörungsorgien der Monster. Ihr Vater Taizo Tachibana (Ryudo Uzaki) ist General bei der japanischen “Selbstverteidigungs-Armee“ und hat damals seine Eltern durch Godzilla verloren. Als die drei guten Monster dem übermächtigen Godzilla unterliegen, schwingt sich Tachibana in ein U-Boot und fährt im verwüsteten Hafengebiet von Yokohama direkt in das Maul des radioaktiven Urweltgiganten …

Kaneko ist grimmiger und absoluter in der Darstellung von Zerstörungen. Bei ihm sieht man die Menschen durch die Luft purzeln, wenn der Feuerschwall eines Monsters durch die Straßenschluchten fegt. Um so erstaunlicher ist es, das GMK in Japan im Doppelprogramm mit einem 60-Minütigen Zeichentrickabenteuer von Hamutaro, einem niedlichen debilen Hamster, in die Kinos kam. An der Kinokasse konnte man gar kleine Hamutaros im Godzilla-Kostüm als Schlüsselanhänger kaufen. Apokalypse im Kinderzimmer.

Reminiszenzen (oder sind es Seitenhiebe?) an den amerikanischen Godzilla von Roland Emmerich sind unübersehbar. Ganz so, als wolle Kaneko sagen: “Seht her, das können wir auch“, dreht er prägnante Einstellungen des US-Godzillas nach: Die verdatterten Angler, auf die eine sich aufbäumende Welle zurast, aus der Godzilla steigen wird. Den Fischmarkt, den Godzilla bei seinem ersten Auftritt verwüstet.Mit einem Zehntel des Budgets, das Emmerich 1998 in USA zu Verfügung hatte, gelingt Kaneko mit GMK ein großer Wurf. Ein Monsterfilm wie Fans ihn sehen wollen. Er bringt das Gefühl der alten Monsterfilme mit der modernen Technik zusammen. Die altmodische Tricktechnik “Suitmation“ (der berühmte Mann im Gummianzug) geht eine kreative Symbiose mit der Digitaltechnik ein. Selbst der eher unübliche Elektro-Industrial-Soundtrack von Kou Otani integriert sich problemlos in das naive Fantasy-Spektakel.

Ursprünglich sollte Kanekos Film der vorerst letzte Godzilla-Film werden. Doch die Einspielergebnisse in Japan waren so gut, das Tomiyama schnell die Produktion von GODZILLA AGAINST MECHAGODZILLA startete. Leider nicht unter der Regie von Shusuke Kaneko.