HACHIKO
(USA, 2009)
Hachiko ist der Name des in Japan wohl berühmtesten Hundes. Der 1923 geborenen Akita-Hund (ein japanischer Spitz) holte sein Herrchen, den Universitätsprofessor Hidesaburō Ueno täglich vom Bahnhof Shibuya in Tokio ab. Selbst nach dem Tod des Professors im Jahr 1925 kam der treue Hachiko noch jeden Tag zur gleichen Zeit zum Bahnhof um vergeblich auf seinen verstorbenen Herrn zu warten. Zuerst sah man in dem Tier einen lästigen Störenfried, doch 1928 richtete ein tierliebender Bahnhofsvorsteher dem Akita gar ein Quartier am Bahnhof ein. 1932 machte der Zeitungsartikel eines ehemaligen Studenten von Professor Ueno den Hund in ganz Japan bekannt. 2 Jahre später fand die Verehrung für Hachiko mit der Errichtung einer Bronzestatue von dem Bahnhof Shibuya seinen Höhepunkt. Als Hachiko im März 1935 genau an der Stelle tot aufgefunden wurde, an der er 10 Jahre lang jeden Nachmittag auf seinen Herren gewartet hatte, war die ganze Nation erschüttert. Man muß kein ausgesprochener Hundenarr sein um von dieser herzerweichenden waren Geschichte gerührt zu sein.
Nach der japanischen Verfilmung „Hachiko Monogatari“ aus dem Jahr 1987 nimmt sich nun auch Hollywood der Lebensgeschichte des liebenswerten Akita an. Dem Musikprofessor Parker Wilson (Richard Gere) läuft am Bahnhof der amerikanischen Kleinstadt Bedridge ein Welpe zu. Die Kiste mit dem kleinen Racker aus dem fernen Japan war vom Gepäckwagen gerutscht und zerbrochen. Nun fühlt sich niemand für das Pelzknäuel verantwortlich. Kurzentschlossen nimmt Parker den süssen Hund mit nach hause. Seine Frau Cate (Joan Allen) ist nicht besonders begeistert von dem neuen Familienmitglied. Doch bald sieht sie ein, das ein unsichtbares Band ihren Mann und diesen kleinen Hund, der ihn täglich zum Bahnhof bringt und wieder abholt, zu verbinden scheint. Bis Parker eines Tages während einer Vorlesung vor seinen Studenten zusammenbricht ...
Der schwedische Regisseur Lasse Hallström, der seine Karriere 1985 bezeichnenderweise mit dem Film „My Life A s A Dog“ begann, versucht den ganz großen Tierfilmkitsch zu vermeiden indem er die Geschichte recht erwachsen und streckenweise aus der Sicht des Hundes erzählt. Ab und an blicken wir durch die Augen von Hachiko auf einen animierend umher tollenden Richard Gere, während die subjektive Hundekamera in Bodennähe in die Schräglage gerät.
Die religiös überhöhte Verehrung aller beteiligten Zweibeiner für den bei Wind und Wetter auf seinem Posten wartenden Hund wirkt auf den ersten Blick etwas dick aufgetragen. Doch sie trifft im Kern das Verhältnis der Japaner zu ihrem Lieblingshund. Denn das Schriftzeichen „Hachi“, so erklärt ein Professor für Japanologie im Film, bedeute nicht nur „Acht“, sondern sei auch ein Symbol für die Unendlichkeit und für die Fähigkeit Himmel und Erde zugleich zu berühren. Deshalb gilt Hachiko in seiner Heimat als Symbol für unendliche Loyalität und Treue. Das 1948 erneuerte Denkmal an der weltweit belebtesten Straßenkreuzung in Shibuya ist der wohl bekannteste Treffpunkt von ganz Japan. Vor den ausgestopften Überresten des legendären Hundes kann man sich im National Science Museum im Tokioter Bezirk Ueno verneigen.
JB für epd
