JACKASS - THE MOVIE

(USA, 2002)

Die amerikanische Fernsehserie JACKASS, die auch in Deutschland erfolgreich von MTV ausgestrahlt wird, läßt den unvermeidlichen Kinofilm folgen. JACKASS ist die scheinbar sinnlose Aneinanderreihung post- pubertärer, so genannter „Reality-Gags“. Eine Ansammlung von Peinlichkeiten, Peinigungen und Selbstverstümmelungen, ausgeführt von einer Horde tapferer junger Männer, die ihre persönlichen Grenzen vor der heute allgegenwärtigen Videokamera austesten. Angeführt werden sie von Johnny Noxville, der JACKASS gemeinsam mit Spike Jonze (WO DIE WILDEN KERLE WOHNEN) konzipierte, und der von einer besonders masochistisch/exhibitionistischen Veranlagung getrieben wird.

Wie fühlt es sich an, wenn sich ein Babyalligator in der Brustwarze festbeißt? Wie groß wird der Blaue Fleck, wenn man sich ein Gummigeschoß an den Bauch schießen läßt? Wie verhalten sich Verkäufer und Kunden in einem Geschäft für Sanitäranlagen, wenn man sich auf eine im Verkaufsraum ausgestellte Toilettenschüssel setzt, und Zeitung lesend sein geruchs- intensives „Geschäft“ erledigt?

Besonders halsbrecherische Stürze der Protagonisten werden natürlich in Zeitlupe wiederholt. Die Schmerzen, die sich in Noxvilles Gesicht abzeichnen sind dabei absolut nachvollziehbar. Ähnliche Unfälle hat man unfreiwillig vielleicht schon selbst erlitten. Die ruppigen und wackelnden Bilder der Digitalkamera unterstreichen dabei die Authentizität des Gezeigten. Auf dem Soundtrack donnert stimmungsvoll Hardcore-Punk und Speed-Metal von den Kultbands „Misfits“ oder „Slayer“. Die Auswahl dieser musikalischen Untermalung weißt die Macher des Films als direkte Nachkommen der amerikanischen Fun-Punk-Generation aus. Der Punk-Poet Henry Rollins absolviert gar einen (vergleichsweise ungefährlichen) Kurzauftritt.

Vor vielen Jahren schon erkor das amerikanische Sachbuch PRANKS! aus dem renommierten "Re-Search" Verlag den „üblen Streich“ oder „bizarren Scherz“ zur eigenständigen Kunstform. Untergrundkünstler wie Joe Coleman oder Timothy Leary outen sich in PRANKS! als unverbesserliche Scherzkekse. So ist es kein Zufall, das auch die Sequenz in JACKASS, in der ein als Maus verkleideter halbnackter Mann durch einen Raum voll gespannter Mausefallen kriechen muß um an ein Stück Käse zu gelangen, an die Selbstverstümmelungs-Performances des Wiener Aktionisten Günther Brus erinnert.

Sicher ist JACKASS-THE MOVIE ein „Machwerk“, von dem weltweit alle Sozialpädagogen und Moralprediger schon wegen der angeblichen Nachahmungsgefahr abraten werden. Aber grade dieser Umstand wird den Film für das jugendliche Zielpublikum so reizvoll machen. Es ist eine Gewissensfrage, ob man es lustig oder zu geschmacklos findet, wenn sich die Bier trinkenden Helden um Noxville auf der Dachterrasse eines Tokyoter Hotels Silvesterraketen in den Anus stecken und diese dann in den Nachthimmel schießen. Fest steht jedoch, das sowohl die TV-Serie als auch der Film, den zweifelhaften Höhepunkt in Sachen Reality-TV markieren.

In einer Realität, in der viele Menschen ihr Dasein wohl behütet sitzend vor den Bildschirmen des Computers und Fernsehgerätes fristen, kann ein Phänomen wie JACKASS als die Sehnsucht nach der Rückkehr zur Körperlichkeit, die sich offenbar am unmittelbarsten durch Schmerz erfahren läßt, gedeutet werden. So gesehen geht es, wie in jedem guten Film, auch in JACKASS um Gefühle. Nur echt müssen sie sein.

JB