SCHOCK LABYRINTH 3D
(Japan, 2009)
Wenn sich japanische Produzenten für den internationalen Markt englischsprachige Titel für ihre Filme ausdenken, klingt das Resultat stets etwas sperrig. THE SHOCK LABYRINTH: EXTREME 3-D lautet der vollständige Original-Titel des neuen Films von Takashi Shimizu, der vor allem durch seine JU-ON Filmreihe bekannt ist, in denen regelmäßig ruhelose Hausgeister den ahnungslosen Nachmietern das Leben zur Hölle machen.
Aus seinen billigen Videofilmen JU-ON und JU-ON 2 aus dem Jahr 2000, machte Shimizu zwei Jahre später die weltweit beachteten japanischen Kinofilme JU-ON: THE GRUDGE und JU-ON: THE GRUDGE 2. Für Sam Raimi`s Produktionsfirma Ghost House Pictures inszenierte er später selbst die amerikanischen Remakes THE GRUDGE – DER FLUCH (2004, mit BUFFY-Star Sarah Michelle Gellar in der Hauptrolle) und THE GRUDGE 2 (2006). Trotz unheimlicher Atmosphäre und heftigen Schockmomenten richteten sich die überwiegend subtilen Horrorfilme immer auch an ein Teenager-Publikum. Schließlich waren viele der grausigen Quälgeister im Film auch noch minderjährig.
Für den ersten japanischen 3D Film ließ sich Shimizu von dem „Saikyo Senritsu Meikyu“, einem real existierenden Grusel-Labyrinth in einem japanischen Vergnügungspark in der Nähe des Berg Fuji inspirieren. In SCHOCK LABYRINTH 3D schleichen sich mehrere Kinder in das Geisterhaus des Parks. Die kleine Yuki (Misako Renbutsu) verschwindet auf mysteriöse Weise in der Jahrmarktattraktion, kehrt aber unerwartet 10 Jahre später wieder zu ihrer ehemaligen Kinder-Clique zurück. Die bringen die erschöpfte Yuki in ein labyrinthähnliches Krankenhaus wo sich Realität und Traum immer mehr verwischen.
Die durchgehend albtraumhafte Atmosphäre des Films wird durch das „ Real 3D“ Verfahren noch verstärkt. Oft weiß man nicht ob die Doppelbilder und Unschärfen jetzt Schwächen in der Projektion oder dramaturgisch eingesetzte Raffinessen sind. Die dreidimensionale Illusion funktioniert gerade durch die Bedächtigkeit der Inszenierung und macht selbst aus den viel zu kleinen japanischen Großstadtwohnungen tiefe hyperreale Räume. Doch unsere von AVATAR verwöhnten Augen haben sich schnell satt gesehen an dem 3D Effekt. Mit James Cameron`s obszön kostspieliger Zukunftsvision kann Shimizu`s Billigprodukt überhaupt nicht mithalten. Nach 15 Minuten beginnt man sich bei dem seichten Teenager-Grusel zu langweilen. Hinzu kommt das unbegreiflich hölzerne Agieren der eigentlich so talentierten Jungschauspieler Yuya Yagira (bekannt aus der ergreifenden Milieustudie NOBODY KNOWS von Hirokatzu Koreeda) und AI MAEDA (Genre-Liebhabern aus dem Riesenmonsterfilm GAMERA – REVENGE OF IRIS vertraut).
Die ruhelosen Geisterkinder in Shimizu`s JU-ON-Filmen waren leichenblass geschminkt, hatten verdrehte Gliedmaßen und krabbelten rückwärts an der Zimmerdecke entlang. Das kleine Geisterkind Yuki in SHOCK LABYRINTH ist einfach nur schrecklich niedlich und wirft ihr geliebtes Stoffhäschen in die 3D Kamera. Dort schwebt es recht effektvoll im Raum, umgeben von in der Luft stehengebliebenen Regentropfen, und entledigt sich seiner Plüsch-Innereien. Bilder wie diese, haben zweifellos ihren surrealen Reiz, sind aber für einen packenden Horrorfilm viel zu harmlos.
JB für epd
