TEAM AMERICA: WORLD POLICE

(USA, 2004)

Osama Bin Laden zappelt „Durka durka, Jihad!“ rufend mit einem blinkenden Bombenkoffer durch Paris. Im Kampf gegen den Terrorismus macht das Team America aus Versehen den Eiffelturm, den Arc de Triomphe und das Louvre platt. Auch die ägyptischen Pyramiden werden im Dienste der guten Sache von der schnellen amerikanischen Eingreiftruppe weg gebombt. Collateral Damage nennt man so etwas im amerikanischen Blockbusterkino.

Etwas subtiler versucht man die Welteroberungspläne des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il zu durchkreuzen, der soeben in James-Bond-Bösewicht-Manier den friedliebenden UN-Waffeninspektor Hans Blix an seine hungrigen Haie verfüttert hat. Man schleust den Schauspieler Gary als Spion zu Kim Jong Ils Weltfriedenskonferenz, bei der in Wirklichkeit sämtliche Staatsoberhäupter sozusagen enthauptet werden sollen und bei der so politisch korrekte Schauspieler wie Sean Penn und Tim Robbins ihr Gutmenschentum zelebrieren.

Die „South Park“-Macher Trey Parker und Matt Stone wissen genau, das sie eine derart haarsträubende Politsatire als realen Spielfilm nie ungestraft in die amerikanischen Kinos bekommen hätten. Also haben sie einen bösartigen, 32 Millionen Dollar teuren Puppentrickfilm gemacht, in dem viele bekannte Marionetten blutüberströmt im Kugelhagel zappeln, sich betrinken und dann ekelerregend übergeben, vulgärphilosophisch daherreden und sich pornographisch detailgenau dem Liebesakt hingeben. Die Full-Puppet-Nudity beim Liebesspiel zwischen Gary und der blonden Puppenheldin Lisa war es dann auch, die den Film in den USA ein R-Rating (Jugendverbot) einbrachte.

Die Holzköpfe vom „Team America“ sind der naiven britischen Marionettenfernsehserie „Thunderbirds“ von Gerry Anderson aus den 60er Jahren nachempfunden, die fast zeitgleich mit einer langweilig werkgetreuen Realverfilmung für Kinder geehrt wurde. Bei Anderson war es der spießige Familienbetrieb International Rescue, der sich tapfer für das Wohl der Menschheit in niedlichen Miniaturkulissen einsetzte. Parkers vorsätzlich gewaltverherrlichender und pornographischer Gegenentwurf wird für den Großteil des heutigen Publikums aber auch als respektlose Parodie auf Jerry-Bruckheimer-Action-Filme wie „Pearl Harbor“ oder „Top Gun“ funktionieren.

Ein Sprecher des weißen Hauses ließ verlauten, er könne an Terrorismus nicht lustiges finden, und er würde sich wünschen, dass die Produktionsfirma Paramount mehr Respekt den Amerikanern entgegenbringe, die Opfer bringen um Amerika sicherer zu machen. Die Filmemacher verteidigten ihr Werk im „Rolling Stone“: „Wir sprechen für diejenigen, die Bush für einen Idioten halten – und Michael Moore auch. „Team America“ ist eine politische Satire, aber es geht weniger um Politik, als um die Gefühle, die Amerika seit dem 11. September durchlebt. Sollen wir uns schämen oder stolz sein?“ Nach dem Genuß dieses brachial zynischen Puppentheaters wird man für immer unfähig sein, unsere unschuldige Augsburger Puppenkiste unbeschwert zu genießen.

JB